Kursdetails
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Besuch des jüdischen Friedhofs in Ottweiler mit Führung

Anmeldung möglich (17 Plätze sind frei)

Kursnr. 241-1101
Beginn So., 19.05.2024, 17:00 - 18:30 Uhr
Dauer 1 Termin
Kursort Am Friedhof
Gebühr 0,00 €
Teilnehmer 5 - 20

Kursbeschreibung

Paris-Touristen führt der Weg vielleicht auch einmal auf den Friedhof Père Lachaise oder den Cimetière de Montmartre mit ihren Grabmalen berühmter Persönlichkeiten aus den Bereichen Kunst, Literatur, Politik und Wissenschaft. Damit können die ländlichen jüdischen Friedhöfe unserer Region nicht mithalten, auch der jüdische Friedhof Ottweiler nicht. Hier fanden „Die Unbesungenen“ – so der Titel eines Gedichtes von Annette von Droste-Hülshoff, verfasst 1843 als Teil der sog. „Totengedichte“ – ihre letzte Ruhestätte. Die ersten Verse aus diesem Gedicht, eingraviert im Sockel des Grabmals von Koppel ben Asriel, lauten: „‘s gibt Gräber, wo die Klage schweigt/Und nur das Herz von innen blutet, /Kein Tropfen in die Wimper steigt/ und doch die Lava drinnen flutet: [...].“ Am Ende spricht Annette von Droste-Hülshoff die Funktion eines Grabes an: Der Besuch der letzten Ruhestätte eines Angehörigen hilft, in der Begegnung mit dem verstorbenen Menschen die Trauer zu überwinden: „O, wenn dich Zweifel drückt herab/[...]/Dann tritt an deines Vaters Grab! /Dann tritt an deines Bruders Gruft!/Dann tritt an deines Kindes Hügel!“
Der glückliche Umstand, dass jüdische Friedhöfe auf Ewigkeit angelegt sind und der jüdische Friedhof Ottweiler in der NS-Zeit nicht zerstört wurde, ermöglichte die Nachforschungen zu mehr oder weniger bedeutenden Ottweiler Familien jüdischen Glaubens. Er bewahrte also die „Erinnerung an die Entrissenen“ und wurde dadurch zur Quelle der Erforschung der Geschichte der jüdischen Gemeinde Ottweiler.
Die Führungen über den jüdischen Friedhof Ottweiler rufen einen verdrängten Aspekt der Ottweiler Stadtgeschichte in Erinnerung, indem sie einer Forderung August Bebels (1840 – 1913, Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands) nach Auseinandersetzung mit der Vergangenheit folgen: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“ Der Referent skizziert bei den Führungen die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Ottweiler, geht auf Besonderheiten der jüdischen Grabmale und der jüdischen Bestattungskultur sowie auf Biographien einzelner Familien ein, die das jüdische Leben Ottweilers geprägt, aber auch weit über den lokalen Bereich hinaus Einfluss gewonnen haben.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Teilnahme an diesen Führungen auf eigenes Risiko erfolgt; insofern stellen die TeilnehmerInnen sowohl den Landkreis als Träger der KVHS als auch die Synagogengemeinde Saar, die Stadt Ottweiler und das Stadtgeschichtliche Museum Ottweiler als Mitveranstalter und den Referenten von etwaigen Schadensersatzansprüchen frei.

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